Loest, Erich: Völkerschlachtdenkmal

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Verkaufspreis24,00 €

Beschreibung

Erich Loest
Völkerschlachtdenkmal
Roman

288 S., Ln mit SchU
ISBN 3-86152-016-8


In den dreizehn Kapiteln von »Völkerschlachtdenkmal« holt Loest weit aus: Der Erzähler, ein ehemaliger Sprengmeister, wird 1913 in Leipzig geboren, in diesem Jahr wurde das Denkmal eingeweiht. Er hört auf einen langen Namen: Carl Friedrich Fürchtegott Vojciech Felix Alfred Linden. Es sind die Namen seiner Vorfahren und deren Freunde, aus deren Sicht er Leipzig Geschichte von Napoleon über Ulbricht bis Honecker erzählt. Dabei darf an Hadschi Halef Omar erinnert werden – über seinen sächsischen Landsmann Karl May hat Loest in einem Roman nachgedacht: »Swallow, mein wackerer Mustang«. Der Kampf zwischen Sachsen und Preußen wird zum Thema, bei dem immer die Sachsen unterliegen, und es sind die Menschen ohne politische und wirtschaftliche Macht, die die Zeche bezahlen. Linden sagt: »Ich hab's immer merkwürdig gefunden, daß wir Sachsen die Geschichte allemal von der preußischen Seite aus sehen. Österreicher, Russen und Preußen schlugen Napoleon bei Leipzig – und was machen die Sachsen?« Wir erfahren, wie es dem Bauernsohn Carl Friedrich, der 1813 Soldat wird, nach dem schlimmen Ende in Rußand ergeht, oder wie der Rittergutspächter von Lindenau aus den auf dem Schlachtfeld gefundenen Schädeln eine Pyramide errichten will. Vater Felix bricht den Stein fürs Denkmal, er ist dabei, als die Synagoge lodert und erlebt den Feuersturm 1944. Aus der weltweiten Perspektive der Völkerschlacht führt uns Loest mit Satire und Witz in die neuere und neueste Geschichte. Je mehr er sich dabei unserer und der eigenen Gegenwart nähert, desto stärker sind der Autor und sein Erzähler betroffen. Das Geschehen um die Sprengung der Universitätskirche 1968 läßt den Atem stocken.

Autor

Erich Loest (1926, Mittweida/Sa.–2013, Leipzig); 1944/45 Kriegsdienst, 1947–1950 Volontär und Redakteur bei der Leipziger Volkszeitung, ab 1950 freischaffender Schriftsteller (Debüt »Jungen die übrig blieben«), 1957 Ausschluss aus der SED, Verurteilung zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus (Bautzen) aus politischen Gründen, nach Entlassung wieder als Schriftsteller tätig, 1979 Austritt aus dem Schriftstellerverband aus Protest gegen Zensur, 1981 Ausreise in die Bundesrepublik. 1990 Rückkehr nach Leipzig, wo er 1996 Ehrenbürger wurde. 1994–1997 Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schriftsteller.
Loest bekam unter anderem den Hans-Fallada-Preis, den Marburger Literaturpreis, zweimal den Jakob-Kaiser-Preis, 2009 den Deutschen Nationalpreis sowie den Kulturgroschen 2010 des Deutschen Kulturrates zuerkannt, einige seiner Bücher wurden verfilmt.