Conrad, Robert: Vergessene Orte in Berlin und Brandenburg

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Verkaufspreis25,00 €

Beschreibung

Robert Conrad
Vergessene Orte in Berlin und Brandenburg
Mit einem Vorwort von Hubert Staroste
Bild-Text-Band

Br., 210 × 260 mm, 240 S., Farbabb.
ISBN 978-3-96311-134-1

Erschienen: November 2019


Faszination Lost Places: Schönheit des Verfalls

Die wie aus einem verwunschenen Paralleluniversum stammenden Bilder lassen uns in die Vergangenheit eintauchen: nicht mehr genutzte Getreidespeicher und Tanklager, verlassene Kliniken und Waisenhäuser, aufgegebene Schulgebäude, Ferienanlagen und Kulturhäuser mit verblassten Werbe- und Propagandabotschaften. Gezeigt werden auch einst unter großer Geheimhaltung errichtete und heute friedlich verfallende Militäranlagen: futuristische Flugzeughangars, endlose Kasernenblöcke, leere Atomwaffendepots, langsam vom Unkraut überwucherte Appellplätze … Alle Fotografien loten die Ästhetik der Stille und Verlassenheit aus. Zugleich ist der Mensch – auch wenn man ihn nicht sieht – durch die Spuren seines Handelns stets gegenwärtig.
Der Bildband lädt zu einer ganz besonderen Zeitreise ein. Roter Faden bleibt dabei stets die vorgefundene Architektur. Mit Texten zum historischen und baugeschichtlichen Hintergrund.

Fotograf/Autor

Robert Conrad, geb. 1962 in Quedlinburg, Diplomarchitekt, studierte Kunstgeschichte und Architektur in Berlin. Seit 2000 ist er als freier Architekturfotograf und Bauhistoriker für Denkmalämter, Architekturbüros, Verlage und Museen tätig, daneben freie Arbeiten und eigene Ausstellungsprojekte sowie seit 2001 Mitarbeit am Virtuellen Museum der Toten Orte Berlin. Er lebt und arbeitet in Berlin und Oldenhagen.

Pressebilder

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(© Robert Conrad)


Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße


Stammlager des Heeres, Zossen-Waldstadt, Schwimmhalle


Zentraljugendschule der FDJ, Wandlitz, Blick aus einer der Übersetzerkabinen zur Bühne des Plenarsaals


Field Station Berlin 3


Restaurant Minsk, Potsdam


Internationales Congress Centrum, Berlin, Eingangshalle für den nicht ausgeführten U-Bahnhof ICC

Leseprobe

10. Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße (AVUS), Berlin Charlottenburg/Berlin Zehlendorf
Messedamm, 14055 Berlin/Kronprinzessinnenweg, 14193 Berlin

Mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der jungen deutschen Automobilindustrie zu fördern, wurde 1909 die Automobil-Verkehrs-und-Übungsstraße-Gesellschaft gegründet. Sie bewirkte den vier Jahre später beginnenden Bau einer vollkommen neuartigen, ausschließlich Automobilen vorbehaltenen Straßentrasse vom Berliner Westend durch den Grunewald bis nach Nikolassee. Die über mehr als acht Kilometer entlang der Wannsee-Eisenbahn geführte Strecke war nahezu geradlinig und kreuzungsfrei. Nach Unterbrechung der Arbeiten während des Ersten Weltkrieges wurde die »Mutter aller Rennstrecken« 1921 mit einer ersten Autowettfahrt eröffnet. Die gebührenfinanzierte Renn- und Teststrecke ermöglichte in den nächsten Jahrzehnten wichtige Erfahrungen bei der Entwicklung des Kraftfahrzeug-, aber auch des Straßenbaus.
Das »Dritte Reich« erkannte die propagandistische Wirksamkeit der AVUS gegenüber einer technikbegeisterten Öffentlichkeit schnell. 1935-37 entstand das heute als Autobahnraststätte genutzte Verwaltungsgebäude mit dem futuristischen Beobachtungsturm der Rennleitung nach Plänen von Ma­gis­trats­bau­rat Walther Bettenstaedt, der zusammen mit dem Architekten Fritz Wilms auch für den Entwurf der gleichzeitig entstandenen benachbarten Tribünenanlage mit 4000 Sitzplätzen verantwortlich war. Ebenfalls 1937 wurde nebenan die neue, extrem steile Nordkurve mit einem Belag aus Hartbrandziegeln für den inzwischen fast 20 Kilometer langen Rundkurs errichtet. Unzählige Rennen, Hochgeschwindigkeitstests der »Silberpfeile« mit über 400 Stundenkilometern, aber auch zahlreiche tödliche Unfälle trugen zur internationalen Bekanntheit der AVUS bei.
1940 wurde die Piste auch für den öffentlichen Verkehr freigegeben, denn man brauchte sie als Zubringer zum neu entstehenden Berliner Autobahnring. Dafür musste die bisherige Südkurve der Rennstrecke aufgegeben werden, der begonnene Bau einer neuen Steilkehre adäquat zur Nordkurve wurde im weiteren Kriegsverlauf aus Ressourcenmangel abgebrochen. Heute sind von dem Projekt nur der damals aufgeschüttete und inzwischen bewaldete Erdwall und nebenan ein zeitgenössisches Betonmodell der AVUS im Maßstab 1:100 übrig geblieben.
Nach kriegsbedingtem Stillstand kam es erst in den 1950er Jahren zur Wiederaufnahme des Rennbetriebes. 1967 erfolgte der Abriss der steilen Nordkurve, 1998 wurde die Sportnutzung aufgegeben.
Nach langem Leerstand und Verfall der großen Zuschauertribüne wird diese durch einen engagierten Investor seit 2019 denkmalgerecht saniert und zu einem Büro- und Veranstaltungsort umgenutzt.