Dietrich Schulze/Viola Zetzsche
Bilderbuch der Wüste
Maria Reiche und die Bodenzeichnungen von Nasca
Mit einem Vorwort von Rüdiger Nehberg
Format 13 x 20 cm, geb. mit SchU
256 Seiten, zahlr. Farb- und s/w-Abb.
ISBN 978-3-89812-298-6
"Nachdem ich das Manuskript gelesen hatte, hämmerte ich meine Begeisterung spontan in die Tasten des PC. Nicht sitzend, sondern stehend, den Kopf geneigt, mit gezogenem Hut, voller Bewunderung, Respekt und Demut vor dieser großen Frau! Standing Ovation. Welch eine Persönlichkeit! Das Buch las sich wie ein Krimi."
Rüdiger Nehberg
In einer der trockensten Regionen der Erde, inmitten Perus, sind dem Wüstenboden geheimnisvolle Zeichen eingraviert. Nur aus der Luft erkennbar, liegen auf mehr als 250 Quadratkilometern riesenhafte Pflanzen- und Tierfiguren in einem Netzwerk von Trapezen, Dreiecken und Spiralen über die Pampa ausgebreitet.
Alte Inkapfade, Bewässerungsfurchen, astronomisches Kalendersystem, UFO-Landemarkierungen – inzwischen existiert ein buntes Spektrum von wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Theorien über Ursprung und Zweck der Gravuren, doch konnte bislang kein Archäologe, Ethnologe oder Kunsthistoriker, kein Astrologe oder Esoteriker endgültig das Geheimnis der rätselhaften Anlage lüften.
Dass der Name Nasca weltberühmt und 1994 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde, ist Maria Reiche zu verdanken, die ihr Leben der Erforschung und Erhaltung der Geoglyphen von Nasca gewidmet hat. 1903 in Dresden geboren, reiste sie nach dem Studium der Mathematik, Physik, Geographie und Pädagogik 1932 ursprünglich als Hauslehrerin für eine Konsulsfamilie nach Peru. Ein Forschungsauftrag führte sie 1941 erstmals nach Nasca. Dort begann die jahrzehntelange mühevolle Arbeit des Vermessens, der Geldbeschaffung und des Kampfes um wissenschaftliche Aufmerksamkeit, zu dem bald auch der erbitterte Kampf gegen die Zerstörung der Jahrtausende alten Wüstenzeichen hinzukam.
Das literarische Porträt schildert das Leben und Wirken von Maria Reiche, die mit ungeheurer Willenskraft, beeindruckendem Forschergeist, Mut und Kühnheit meist ganz auf sich allein gestellt ihren Lebenstraum verfolgte. Unter Verwendung von Briefen, Zeichnungen, Fotos und Dokumenten aus dem Archiv der Schwester entsteht ein bewegendes Bild von der unkonventionellen Persönlichkeit der weltberühmten Frau und Forscherin. Das Phänomen von Nasca wird bis zu den aktuellsten Theorien hin beleuchtet, ebenso vermittelt sich ein lebhafter Eindruck davon, wie der etablierte Wissenschaftsbetrieb, Behörden, Stiftungen und Touristen mit der rätselhaften Anlage umgegangen sind.
Die Autoren
Viola Zetzsche, geb. 1958 bei Erfurt, war nach dem Studium der Landschaftsgestaltung und des Bauingenieurwesens als Planerin und Sachverständige tätig. Beiträge für Fachzeitschriften und Ausbildung zur Journalistin. Sie überflog 2000 zum ersten Mal die Geoglyphen und nahm 2003 und 2004 am Forschungsprojekt "Nasca" in der Steinwüste von Nasca und Palpa teil.
Dietrich Schulze, geb. 1925, begleitete als Ingenieur für Elektrotechnik den Aufbau von Chemieanlagen in aller Welt. 1979 besuchte er zum ersten Mal Nasca, war mit Maria Reiche und ihrer Schwester befreundet und betreut seit deren Tod einen Teil ihres Nachlasses und Archivs. Vorstandsmitglied des Vereins "Maria Reiche – Linien und Figuren in der Ebene von Nasca e.V.", der unter anderem gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wissenschaft Dresden das Forschungsprojekt "Nasca" betreibt.
Leseprobe
Eine Woche später war Maria Reiche mit "einem Elefanten von Kamera" aus Lima zurück. Den teuren Apparat hatte sie beim Servicio Aerofotográfico Nacional (SAN), der nationalen Luftbildstelle der Luftwaffe Perus, ausgeliehen. Sie befestigte ihn unter dem bauchigen Rumpf der Maschine, band sich ein Tau um die Taille und hockte sich auf einen Querbalken der Kufen. Der Pilot zurrte sie notdürftig an den Streben fest, dann startete er den Motor und der Helikopter hob schaukelnd vom Boden ab.
An diesem Morgen flog Maria Reiche zum ersten Mal über die Zeichnungen im Wüstensand. Die unzähligen Linien, die Spinne, der Affe, der Baum – aus der Vogelperspektive betrachtet sahen sie aus wie ein gigantisches Bilderbuch. Wer hatte es gestaltet? Nach diesem Flug war die deutsche Wissenschaftlerin fest davon überzeugt: "Die Figuren in der Wüste wurden gezeichnet, um von oben betrachtet zu werden" – von wem auch immer.
Nasca ist das Land des ewigen Sonnenscheins, und ich sehe vor mir schon die weiten Horizonte der Pampa, die sich braunrot in der Sommersonne ausbreitet, einsam und geheimnisvoll, ohne eine Spur von tierischem oder pflanzlichem Leben, geschweige denn Menschen, mit den geschwungenen Linien der rötlich zart violetten Berge am nordöstlichen Horizont, wo die Anden sich erheben mit ineinander verflochtenen Bergketten, die zu fernen Gipfeln heraufführen. Für viele ist es zu öde und verlassen, für mich ist es mein Land, und ich fühle mich eins mit dem weiten Himmel, dem dunklen steinigen Boden, der weiten Ebene, auf der ein Mensch sich verliert wie ein kleiner unsichtbarer Punkt in der Ferne. [...] Ich spüre bei der Arbeit nicht Hunger und Durst und älter werden.
(Brief an die Schwester Renate, 1948)
Zwei neue Figuren habe ich gefunden. Einen Pelikan von 138 Metern Länge. Ich habe jetzt auch herausgefunden, wie man sie am besten säubert. Mit einem Besen! […]Die alten Figuren habe ich auch gesäubert für die nächsten Luftaufnahmen – Kilometer um Kilometer habe ich gefegt, bis ich fast verrückt wurde.
(Brief an die Schwester, 1952)
Meine Sache ist so fabelhaft, wirklich bahnbrechend, da kann man Neid und Schikane erwarten. Den deutschen Männern wird das nicht gefallen, daß eine Frau wissenschaftlich bahnbrechende Wege geht. […] Kein Professor kann mich kritisieren. Ein neues Gebiet, und niemand kann es beurteilen.
(Brief an die Schwester, 1966)
Pressestimmen
"Die enge Verknüpfung des Textes mit den persönlichen Briefen Maria Reiches macht aus der Biografie einen sehr persönlichen Text. Der Leser fühlt sich auf diese Weise sehr eng mit Maria verbunden. Dieses Buch ist keine Forschungsarbeit über die Nasca-Kultur. Es ist eine Reminiszenz an eine ganz besondere und bewundernswerte Frau, die der peruanischen Republik und der ganzen Welt viel gegeben hat und an die man nur hochachtungsvoll denken kann."
Archäologie online
"Einmalig sind die Originalfotos aus dem Leben und der Arbeit der Maria Reiche, interessant die sorgfältig recherchierten Informationen zur Forschungsgeschichte der indianischen Kultwerke vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Diese Buch wird allen Interessierten reichlich Gewinn bringen, eventuell auch zu einer Reise nach Peru animieren."
Neues Deutschland
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